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Unversehrt

Autorenbild: Astrid Sommer
Astrid Sommer
vor 4 Tagen
1 Min. Lesezeit

Wunden sind wie tätowierte Muster auf der Landkarte unserer Seele.

Manchmal ist der atmende Körper das zerborstene Schutzschild dazwischen.

Manche Zeichnung verblaßt mit der Zeit, manches nutzt sich im Laufe der Jahre ab.

Und manche Linien brennen weiter, wie beim Eindringen jedes einzelnen Nadelstichs.

Stich für Stich.

Werden befeuert, wie Brandmale.

Ins Fleisch versengt, hinterlassen tiefe Spuren.

Können bewegungslos machen, einschränken, schreien still, stellen keine Fragen mehr, klagen nicht an,verlangen Stille, zwingen in die Knie, hören Rauschen in der Ruhe.

Sprechen still.

Und haben vor allem eins gemeinsam:

Sie wollen nicht wieder verwundet werden.

Angeritzt, ausgelacht, angeschnitten, abgetan, abgestraft mit der Ignoranz des Schweigens, angelogen,aufgehübscht.

Denn sie haben ein Recht auf Unversehrtheit und Unantastbarkeit.

Und auf Würde.

Wunden wollen unversehrt bleiben.

Unversehrt.




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