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Wenn es regnet

  • Autorenbild: Astrid Sommer
    Astrid Sommer
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Es gibt immer noch Tage,an denen ich Dich unbeschreiblich vermisse.

Das kommt manchmal aus heiterem Himmel.

Eigentlich,wenn der Himmel weniger heiter ist,sondern sich mit lautem Getöse in einem Feuerwerk entlädt und irgendwann unzählige Regentropfen in mein Gesicht prasseln.


Regen im Gesicht ist wie barfuss auf sommerlich warmen Asphalt,der kurz zuvor noch geglüht hat und dann zum Schweigen gebracht wird.

Wenn es regnet, fühlt es sich tröstend an, heimelig,wohlig,die in Teilen rhythmische Abfolge all der kleinen Tropfen dringen in mich ein wie Musik.


Ich frage mich,was würdest Du dazu sagen,dass erst vor ein paar Monaten eine Freundin meinte,der Tod von Vater und Mutter sei schlimm,aber der eines Freundes nicht so sehr.

Das hat mich verletzt,getroffen,diese Worte,messerscharf,während doch Dein Messer blutverschmiert noch neben Deiner Badewanne lag,in der ich Dich zu spät fand,viel zu spät,oder,für Dich gerade rechtzeitig genug.


Der Regen verwischt also die Reste von Blut,hellt auf,spühlt ab,reinigt.

Ich kann Dir sagen, diese Freundschaft hat sich selbst erstickt, mit plumpen Worten.

Keiner kann beurteilen,welcher Tod wie intensiv wiegt.

Ich finde,dazu hat niemand das Recht.

Das Überhebliche ist die Bewertung eines Gefühls.

Einer Situation.

Selbst der Tod wird noch bewertet.

Das liegt mir nicht.

Genauso wie der small talk, er strengt mich noch mehr an,seitdem ich Dich fand, stell Dir vor.


Heute war ich schwimmen, Segelboote lagen sanft im Wind und glitten an mir vorbei.

Du wolltest mit mir segeln gehen,hast Du gesagt, wenn es Dir besser geht, dazu kam es nicht mehr.


Die Farbe Rot ist geblieben, sie ist allerdings freundlicher geworden.

Blutrot hat sich in Karmesin oder auch Purpur verwandelt. Ein Pastellrot malt einen leuchtenden Himmel und kündigt dabei den Morgen oder auch den Abend an



Neulich lernte ich zwei junge Männer kennen, mein kleines Tatoo am Unterarm wollte dabei in keine Schublade gepackt werden,schliesslich erinnert es mich an Dich. Kolibris wollen ohnehin nicht in dunklen eingestaubten Schubladen leben, so zugedrückt und schwer zu öffnen, dass eben kein freierer Blickwinkel Platz hat.

Freiheit,Kreativität,Intelligenz und Ausdauer, das erinnert mich an Dich,beim Blick auf meinen kleinen Vogel am Handgelenk.


Ich bedaure ein wenig,dass keiner der beiden nachgefragt hat,warum,wieso.

Ich glaube,sie waren zu sehr mit ihrer Schublade beschäftigt

Und was hättest Du dazu gesagt?

Wahrscheinlich einfach nur laut gelacht.


Ich bin übrigens stärker geworden,irgendwie auch ruhiger,noch ruhiger. Vieles beeindruckt mich noch weniger,alles das,was sich nicht wirklich echt anfühlt,schicke ich weiter.

Hier und jetzt im Leben,das ich leben will,da es nur mir gehört.

Und die Stärke,die ist eine Entscheidung.

Sie resultiert aus Verletzlichkeit.

Und Weitermachen.


Der Regen lässt nach, ich vermisse Dich.

Immer wieder.

Und machmal freue ich mich,weil Du da warst.

Bis ich Dich fand.

Und Du damit plötzlich weg warst.

Ohne ein Wort.

Bis auf Deine wacklige Schrift:

Bitte verzeih,dass ich unsere Freundschaft nicht am Leben halten konnte.


Ich habe Dir verziehen.

Nur,ich vermisse Dich.

Manchmal ganz plötzlich.

Und frage mich,was hättest Du dazu gesagt.

Und dann sicher laut gelacht.

Über all den Unsinn in der Welt.


Der Regen hat nachgelassen.

Und der graue Asphalt glüht nicht mehr.

Der Boden dampft Wärme in die noch helle Nacht.

Jetzt vermisse ich Dich nicht mehr.

Ich höre Dich lachen, bis es wieder so weit ist, wenn es regnet.




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